Feb. 2006: Update
eBay betreibt in letzter Zeit wieder aktiv Werbung im Fernsehen und es hat auch mich auf die Plattform gezogen. Doch leider läuft das Ersteigern nicht immer so, wie es geplant ist. Elektronik-Geräte werden zu einem Drittel oder weniger des Marktpreises angeboten, ein günstiger Weg, um an die begehrten "Gadgets" zu gelangen. Es ist aber nicht alles Gold, was glänzt. Organisierte Banden haben sich auf den Betrug über Versteigerungsplattformen spezialisiert und zocken in großem Stile ab. Was man daher beachten sollte und wie man sich (zumindest ein wenig) vor Betrug schützen kann, das soll dieser Artikel klären.
Inhalt
1-2-3 - verkauft!
Firmen wie eBay oder onetwosold.at treffen genau den Nerv der Zeit. Privatpersonen sowie Firmen können anonym, einfach und bequem Artikel verkaufen oder auch kaufen. Ein gewisser Kick, welcher heutzutage einfach notwenig zu sein scheint, ist auch gegeben.
Jede beliebige Person kann Artikel jeder Art online zur Versteigerung freigeben. Die sogenannten Plattformen sicher sich natürlich rechtlich durch AGBs ab und treten nur als Vermittler auf. Andere Benutzer der Plattform können nun online die Artikel einsehen und ihre Gebote abgeben. Nach einer vom Verkäufer vorgegebenen Zeit ist das Angebot zu Ende und der Artikel geht an den Höchstbietenden.
Nun kommt es zur eigentlichen Kaufabwicklung, wobei sich in Österreich und Deutschland der Versand per Nachnahme besonders gut eignet. Die Gebühren sind vertretbar, ebenso wie die Versandkosten, die meist vom Käufer zu tragen sind. Auch eine simple Überweisung ist seit der Einführung der IBAN und BIC nicht mehr teurer als eine Inlandsüberweisung. Die Zahlungsabwicklung über die Plattformen selbst ist meist auch möglich.
Eine tolle Idee, welche von den meisten Anbietern auch sehr gut umgesetzt wurde. Leider lenkt dieses einfache System auch die Aufmerksamkeit von Betrüger auf sich. So gibt es aktuelle Handies zu einem Drittel des Ladenpreises, Plasma-Schirme werden zu weniger als der Hälfte angeboten. Bei einer Suche am 4.3.2004 auf amazon.com nach dem neuen Sony-Ericsson P900 wurden 100% aller Angebote potentiell von Betrügern eingegeben. Aber wie erkennt man solche Angebote? Und wie kann man sich schützen?
Kontaktaufnahme
Schon an der Kontaktaufnahme kann man erahnen, ob der Verkäufer den Artikel auch wirklich anbietet. Meist wird schon während der Versteigerung per E-Mail (siehe Beispiele) mit den Bietern Kontakt aufgenommen und ein, meist nicht abzulehnendes, Angebot gemacht. Als Grund wird meist das Vermeiden der Gebühren an die Plattform angegeben. Der Artikel kann so noch weit unter dem aktuellen Gebot auf der Plattform angeboten werden, der Verkäufer übernimmt die Versandkosten und die Plattform bekommt vom Angebot und Verkauf nichts mit. Man erspart sich als Käufer das Bieten und den Nervenkitzel, ob man überhaupt den Zuschlag erhält.
Leider gibt es auch schon Web-Shops, welche angeblich Artikel zu unschlagbar günstigen Preisen anbieten. Natürlich nur gegen Vorauszahlung und ohne Lieferung der Artikel.
Zahlung per Western Union
Damit die Zahlung möglichst einfach abläuft, wird meist der folgende Weg vorgeschlagen:
- Der Verkäufer versendet den Artikel, und sendet dem Käufer einen Scan der (z.B. FedEx) Auftragsbestätigung. Zur "Sicherheit" ist die Tracking-Nummer übermalen, diese wird erst nach Bezahlung mitgeteilt. Teilweise wird sogar eine Tracking-Nummer mitgeteilt.
- Der Käufer überweist darauf hin das Geld per Western Union an den Käufer und teilt diesem die MTCN (Money Transfer Control Number) sowie den Sender und Empfänger des Geldes mit.
- Nach der Kontrolle, dass das Geld wirklich überwiesen wurde, wird dem Käufer die Tracking-Nummer mitgeteilt und er kann das Paket abholen.
Wie sofort ersichtlich ist, hat der Käufer keinerlei Sicherheiten, dass das Paket wirklich abgesendet worden ist oder er die Tracking-Number erhält. Ein Scan ist mit den heutigen Programmen (leider) viel zu schnell gefälscht. Deswegen kann man auch die folgende Variante "aushandeln":
- Der Käufer überweist das Geld nicht an den Verkäufer, sondern gibt den Namen eines Freundes oder Bekannten an.
- Wieder wird der Sender, Empfänger sowie die MTCN übertragen, um den Geldtransfer zu überprüfen.
- Wenn das Paket ankommt, wird der Empfängername vom Käufer geändert, so dass der Verkäufer das Geld beheben kann.
Auf den ersten Blick sieht diese Variante sicher(er) als die oben genannte aus. Doch was viele nicht wissen und auch auf der Homepage von Western Union nicht zu finden ist: Um Geld zu beheben, ist nur die MTCN notwendig!!! Der Name oder gar ein Ausweis, sind nicht notwendig! Oder auch umgekehrt, wenn der Name sowie die Adresse des Senders und Empfängers bekannt ist, und der Empfänger sich ausweisen kann, ist keine MTCN notwendig.
Nun, ein gefälschter Ausweis kostet einiges und zahlt sich daher für die meisten Kleinbeträge nicht aus, oder? Falsch, auf einem Führerschein oder Reisepass steht nur der Name, aber keine Adresse. Und mit dem selben Namen, aber verschiedenen Adressen lässt sich eine beliebige Anzahl an "Käufern" abzocken, die Kosten für den gefälschten Pass sind so schnell ausgeglichen.
Wie also zu erkennen ist, sind leider Überweisungen per Western Union nicht sicher. Das Geld ist sofort nach der Mitteilung der MTCN weg und eine Anzeige bringt nichts, da die Personalien gefälscht sind.
Was tun?
Eine Anzeige im Ausland ist aufgrund der falschen Personalien aussichtslos und auch sehr aufwendig. Das Verfahren wird zu fast 100% wieder eingestellt. Der Geldempfänger muss ja nur den (gefälschten) Ausweis vorlegen und bekommt das Geld in BAR ausbezahlt, es gibt keine Kontonummer und keine Sicherheiten. Western Union ist daher potenziell für die Abwicklung von sicheren Transaktionen nicht geeignet!
Generell sollte man vor der Kaufabwicklung auch ein wenig den gesunden Menschenverstand einschalten. Warum soll ich bei einem noch nicht gesehenen und probegefahrenen Auto den gesamten Kaufpreis bei Western Union "deponieren"?
Auch ist bei Verkäufern aus dem Ausland Vorsicht geboten. Besonders Rumänien ist mit einer EDV-Kriminalitätsrate von rund 78% nicht gerade das Land, von dem man Kaufen sollte. Und auch eine einwandfreie 100%-Bewertung bei eBay stellt sich meist als gehackt oder modifizert heraus (siehe Links).
Generelle Tipps beim (V)ersteigern
Ich will mich hier keineswegs als "alter eBay-Hase" hinstellen, sondern nur meine Erfahrungen und Meinungen wiedergeben. Ein paar generelle Versteigerungstipps sind:
- Spät steigern! Wenn die Versteigerung noch einige Tage läuft, hat es keinen Sinn, schon mitzusteigern. Das treibt nur dein Preis in die Höhe, der einzige Gewinner ist der Verkäufer. Die heisse Phase ist erst einige Stunden vor Auktionsende.
- Informieren! Was ist der aktuelle Marktpreis des Artikels? Zahlt es sich aus, den Artikel zu ersteigern? Bei eBay werden Artikel über dem Marktpreis ersteigert, ich frage mich, was es dem Käufer dann bringt? Gewinner ist natürlich wieder der Verkäufer.
- Grenzen setzen! Man sollte sich selbst eine Grenze setzen und diese nicht übersteigen. Bei neuwertigen Artikeln bieten sich zum Beispiel 2/3 des Neupreises an, sonst kann man den Artikel gleich neu kaufen.
Um potentielle Betrüger aufzudecken, gibt es meiner Meinung nach die folgende Möglichkeiten (neben einem gesunden Misstrauen):
- Jeder seriöse Verkäufer wird einem Telefongespräch zustimmen. Wenn man auf Anfrage die Nummer nicht erhält, ist Vorsicht geboten!
- Zuerst den Artikel, dann das Geld. Das Risiko geht dann zwar zum Verkäufer über, aber dieser kann sich z.B. durch den Versand per Nachname absichern.
- Nur sichere Zahlmethoden verwenden. Western Union ist potentiell unsicher, es gibt keine Möglichkeit, das Geld zurückzubekommen. Die Plattformen bieten sichere Bezahlmöglichkeiten an und auch eine simple Überweisung kann binnen 7 Tagen rückgefordert werden (mit der Bank absprechen!).
- Wie oben erwähnt, bietet sich der Versand und die Bezahlung per Nachnahme an. Es sollte aber der Inhalt des Paketes überprüft werden - es könnte sich ja auch nur ein Ziegelstein im Packerl befinden. Der Postbote wird zwar nicht erfreut sein, sollte aber im Sinne des Empfängers zustimmen.
- Wenn möglich ist die persönliche Übergabe noch immer am Sichersten. Potentielle Betrüger werden spätestens bei diesem Angebot (welches ja nicht stimmen muss), abspringen. Man kann als Käufer seine Meinung ja noch ändern.
Fazit
Versteigern und Ersteigern ist sehr in Mode gekommen und entspricht genau dem Nerv der Zeit - Geiz ist geil und wer sagt bei Schnäppchen schon nein? Bei gewissen Auffälligkeiten sollten allerdings die Alarmglocken läuten und man sollte sich zusätzlich absichern. Jeder seriöse Verkäufer wird zumindest einem Telefongespräch zustimmen. Und dass die persönliche Übergabe am sichersten, wenn auch nicht immer möglich, ist, sollte auch klar sein.
Wenn man schon Geld überwiesen hat, ohne die Ware zu erhalten, ist eine Anzeige leider vergeudete Liebesmüh, da die Personaldaten sehr sicher gefälscht sind und das Verfahren eingestellt werden wird. Die Plattformen wie eBay, onetwosold.at oder Amazon tun leider nichts gegen die Betrügereien (manche Artikel sind sogar besonders gekennzeichnet - "Featured"!!!). Auch Western Union reagiert nicht auf Anfragen und die Medien sind bei diesem Thema erstaunlich ruhig.
Wenn man also einige simple Punkte beachtet, und ein gesundes Misstrauen hat, steht dem Mitsteigern nichts im Wege.
Kommentare sind erwünscht!
Links
- Information und Betrugs-Prävention für eBay
- Externes Forum: sehr interessante und detailierte Diskussionen rund um Betrug auf eBay
- Artikel auf PC-Welt, wie man eBay Profile hackt
- Onlinekosten.de: ein Artikel zum Thema
- Betrugsverdacht
- (Weitere Links bitte per Mail an mich, danke!)
Resourcen
- Kommentare sind im im Forum erwünscht!
- Beispiel-Mail, damit man sich ein Bild von den Betrügereien machen kann.
- Mail eines Geschädigten, mit einem gefakten UPS Shipping paper und dem gesamten Mail-Verkehr.
- Update - ein neues Beispielmail
- Update II - ein drittes Beispielmail
