Michael Baierl – WordPress-Profi aus Wien.

8 Dinge, die ich an WordPress hasse…

… und die WordPress besser machen könnte

8 Dinge, die ich als WordPress-Profi an WordPress hasse

Heute bin ich über die super lustigen Werbe-Videos von Wix gestoßen, die WordPress aufs Korn nehmen. Und ich muss zugeben, die Videos treffen die Wahrheit ganz gut.

WordPress hat einige Macken und Tücken, die wirklich nerven.

Und so ist dieser Artikel entstanden – um als WordPress-Profi auch einmal aufzuzeigen, was WordPress besser machen könnte …

Inhalt

Nur um das gleich klarzustellen – ich finde WordPress nach wie vor genial und werde auf keine andere Plattform umsteigen. Aber WordPress könnte (wie auch Shopify und andere) einiges besser machen …

1. Usern ist unklar, was „WordPress“ ist

Gerade nicht technische User hören zwar oft „WordPress“, wissen aber gar nicht so genau, um was es sich dabei handelt. Da wird dann WordPress.org mit WordPress.com verwechselt und warum zusätzlich noch ein Page Builder notwendig ist, erschließt sich auch nicht wirklich.

Auch der Unterschied zwischen Plugins, Themes und den Premium-Varianten davon ist nicht einfach zu verstehen.

Mögliche Lösung

WordPress.com (das Service) sollte sich umbenennen – JetPack wäre hier mein (naheliegender) Vorschlag.

WordPress (.org, also die Software) benötigt besseres Marketing und sollte klarer kommunizieren, was WordPress ist und was es so speziell macht.

2. Kunden wissen nicht, was WordPress kostet

Hierbei handelt es sich ebenso um ein Marketing-Problem. Viele Kunden glauben, dass die gesamte Website kostenlos ist. Weil WordPress ja kostenlos ist.

Und fallen dann aus allen Wolken, wenn Plugins etwas kosten (müssen). Und das noch jährlich!

Ja, WordPress Core ist kostenlos. Und man kann mit kostenlosen Plugins auch ansehnliche Websites bauen. Professionell ist das leider oft nicht, ebenso wenig sicher.

Mögliche Lösung

Auch hier – besseres Marketing bzw. bessere Kommunikation. Es muss den Usern klar werden, dass kostenlose Software und kostenloser Support keine langfristigen, sicheren Optionen sind. Der Wert einer bezahlten Mitgliedschaft (Support! Updates! Bugfixes! Langfristigkeit!) sollten klarer kommuniziert werden.

3. Das Admin-Menü ist unübersichtlich

Das Menü im Backend von WordPress ist eine Katastrophe. Jedes Plugin kann hier tun und lassen, was es will und legt beliebig Ordner auf der höchsten Ebene an. Andere Plugins verstecken sich unter Werkzeuge oder Einstellungen.

Admin-Menü-Wahnsinn
Das ist ein Beispiel aus freier Wildbahn!

Content (Seiten, Beiträge, Kommentare …) sind wild mit Einstellungen, Konfigurationen und so weiter gemischt. Themes legen oft mehrere Top-Level-Menüpunkte an, anstatt sich im Design-Unterordner einzutragen …

Lösungsvorschlag

Hier sollten klare Richtlinien her, wo sich ein Plugin oder Theme einzugliedern hat. Die Top-Level-Menüs gehören besser strukturiert, so sollten alle inhaltsbezogenen Einträge zusammengefasst werden.

Damit klar ist, wann der User Inhalte bearbeitet, wann die Seite administriert oder das Design geändert wird.

Plugins und Themes sollten eine Bewertung bekommen, damit ersichtlich ist, ob sie sich an die Vorgaben halten (mehr dazu weiter unten).

4. Es ist zu einfach ein Plugin oder Theme zu programmieren

Die Einstiegshürde um ein WordPress-Plugin zu erstellen ist sehr niedrig. Zu niedrig.

Denn auch ohne Wissen rund um Sicherheitslücken, Benutzererfahrung (UX = User Experience), Datenbanken und Website-Performance lässt sich rasch ein WordPress-Plugin mithilfe von Google und Stackoverflow zusammenschustern.

Das Ergebnis?

Plugins, die

  • sich nicht an die WordPress-Standards halten,
  • optisch nicht ansprechend sind,
  • die Datenbank und den Webserver stark belasten,
  • unnötige Dateien laden und
  • die Website langsam machen.

Meine radikale Lösung

Benutzer wie auch die (Anfänger)-Programmierer benötigen Schutz vor sich selbst. Der Standard, um ein Plugin für WordPress zu erstellen, sollte daher erhöht werden.

  • Durch klare Regeln, wie ein sicheres & performantes Plugin zu programmieren ist.
  • Durch einen Review-Prozess – gerne auch bezahlt (klappt doch bei Apple auch wunderbar!).
  • Durch professionelle Ratings für Plugins in Bezug auf Sicherheit, Performance und User Experience.

Deine eigene Domain und E-Mail-Adresse!

Du willst endlich mit deiner eigenen Domain online gehen, weißt aber nicht wie du starten sollst?

Dann ist mein kostenloser 3-Tages-Kurs das richtige für dich. Ich zeige dir auf was es bei deiner Domain ankommt, wie du sie registrierst und eine Business-E-Mail-Adresse einrichtest.

Melde dich gleich an:

Die Abmeldung vom Newsletter ist jederzeit möglich. Details in der Datenschutzerklärung.

5. Updates zerstören die WordPress-Website

Gerade Plugins und Themes von Programmieranfängern haben die Tendenz, bei einem einfachen Update die Website zu zerschießen.

Fehler passieren, ganz klar. Aber wenn die Programmierer nicht bedenken, welche Auswirkungen ihre Änderungen haben, dann sind Konflikte mit den Stylesheets, JavaScripts oder im PHP-Code an der Tagesordnung.

Das musste sogar Elementor auf die harte Tour lernen – die (notwendigen und sinnvollen) DOM-Änderungen sind daher nur optional.

Wegen dieses Problems bin ich übrigens auch kein Fan von automatischen Updates – ich möchte nicht jeden Tag in der Früh überprüfen müssen, ob die von mir betreuten Websites noch fehlerfrei funktionieren …

Mögliche Lösungen

Erstens muss hier Bewusstsein bei den Entwicklern geschaffen werden. Die Programmierer von Elementor haben so schön gesagt, dass sie erkannt haben, dass sie für sehr sehr sehr viele Websites verantwortlich sind.

Diese Erkenntnis ist leider nicht bei jedem Entwickler angekommen. Hier ist also Aufklärungsarbeit notwendig.

Und zweitens sollte WordPress endlich die Möglichkeit bieten einfach und rasch einzelne Plugins, Themes und auch WordPress Core zur letzten Version zurückzuwechseln.

Manche Themes bieten diese Möglichkeit.

Einfacher Rückstieg zu alten Versionen mit Elementor

Sie sollte aber für alle Plugins Standard sein. Inklusive automatischem Datenbank-Rollback.

6. Es gibt keine sinnvollen Logs in WordPress

Daran erkennt man meiner Meinung nach, dass WordPress nicht aus der Business-Ecke kommt, sondern aus dem Consumer-Bereich (und von dort aus die Business-Ecke eingenommen hat).

Denn WordPress bietet keine sinnvolle und standardisierte Möglichkeit, um Logs zu schreiben oder zu sehen, was das System macht.

Was meine ich?

  • Grobe Granularität: Informationen darüber, ob sich ein User angemeldet hat, wer eine Seite oder einen Beitrag gelöscht hat, welche E-Mails geschickt wurden oder welcher User ein Plugin installiert hat.
  • Feine Granularität: Debugging-Logs von Plugins, um einen Fehler zu finden. Also Datenbankabfragen, aufgerufene Funktionen, geschriebene Daten, Fehler-Logs usw.

Manche Plugins wie WooCommerce haben diese Funktionalität selbst programmiert, aber das sind die Ausnahmen bei großen, bekannten Plugins.

WooCommerce Logs - können sinnvoll sein
WooCommerce Logs – können sinnvoll sein

Mein Wunsch

Ein zentrales Logging-System für WordPress, das grob und fein zentral die Daten sammelt und für Entwickler einfach zu verwenden ist. Direkt in WordPress-Core.

Ja, es gibt SimpleHistory, aber es unterstützt nicht alles und vor allem keine Debug-Logs. Es müsste die Möglichkeit geben “technische” Logs zu aktivieren, um Fehler im Code einfacher zu finden.

7. Der Premium-Plugin-Support ist meist sinnlos

Ich bin ja ein Fan von kostenpflichtigen Premium-Plugins. Wegen den Updates. Wegen der Fairness. Aber auch wegen dem Support.

Leider variiert hier die Qualität aber sehr stark.

Auf der einen Seite gibt es die Programmierer, die Anfragen von Kunden als wertvolles Feedback verstehen und innerhalb von ein paar Tagen eine neue Plugin-Version veröffentlichen. Zugegeben, Real Big Plugins ist hier sicher die positive Ausnahme. WooCommerce ist technisch aber auch sehr auf zack und hochprofessionell.

Auf der anderen Seite sehe ich gerade bei den aktuell hippen Page Buildern oder Formular-Plugins, dass sich die Qualität des Supports auf dem Niveau von „Haben Sie den Computer schon neu gestartet?“ befindet. Direkte Kommunikation mit den Entwicklern ist sowieso nicht möglich, was oft auch an der schieren Masse von Anfragen liegt.

Mein Lösungsvorschlag

Es ist mehr ein Wunsch, als ein Lösungsvorschlag. Aber manchmal möchte ich ein Flag beim Hersteller, um nicht jedes Mal zuerst den First Level Support ertragen zu müssen. Und direkt beim Entwickler zu landen. Shibboleet, anyone?

Konkreter und abseits der Träume – die zentralisierte Möglichkeit dem Plugin-Support einfach und sicher Zugang zum eigenen WordPress zu geben. Aktuell kochen hier manche Themes ihr eigenes Süppchen, installieren must-use-Plugins und verwenden andere Gemeinheiten. Ob diese immer sicher sind, wage ich zu bezweifeln.

Einfacher Zugang zu WordPress für den Divi-Support
Einfacher Zugang zu WordPress für den Divi-Support

8. Plugins müllen das Admin-Dashboard zu

Manche Plugins und Themes sehen das Admin-Dashboard als reine Werbefläche. Und müllen diese mit Nachrichten, Hinweisen auf kostenpflichtige Upgrades, Aufforderungen zu Bewertungen und vielem mehr zu.

Der WordPress-Horror schlechthin im Admin-Dashboard
Der WordPress-Horror schlechthin im Admin-Dashboard

Die Nachrichten sehen dabei alle anders aus und lassen sich teilweise nicht einmal wegklicken.

Und noch viel schlimmer – dieselben Nachrichten werden auf jeder einzelnen Seite im Backend angezeigt. Na super. Danke liebe Plugin-Entwickler.

Interessant für dich?

WordPress Plugins können NICHT kostenlos sein! Warum?

6 Gründe, warum WordPress-Plugins nicht kostenlos sein können

Mein Wunsch ans Universum

Dass Nachrichten gesammelt angezeigt werden, nach Wichtigkeit sortiert und nicht auf jeder Seite. Wie wäre es mit einem „Notification Center“ für alle Nachrichten?

Es gibt schon ein Feature Proposal namens „WP Notifiy“ – nur leider hat sich seit November 2019 nicht mehr viel getan.

Dann doch bitte ein Bewertungssystem für Plugins, um zumindest die guten von den bösen unterscheiden zu können.

Was magst du an WordPress nicht?

Das waren die 8 Punkte, die mich nach Jahren professioneller Arbeit mit WordPress nach wie vor stören.

Und um das noch einmal klarzustellen – ich liebe WordPress, ich liebe die „crazy freedom“, die entspannte und hilfreiche Community, die Möglichkeit jede Zeile Code selbst verändern zu können.

Das ist (zumindest für mich) ein großer Vorteil gegenüber den Closed-Source-Systemen, mit denen ich früher gearbeitet habe.

Ich würde WordPress sofort wieder gegenüber Shopify, Wix oder Squarespace bevorzugen.

Aber wie geht’s dir mit WordPress? Was stört dich am meisten an diesem System? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

4 Antworten

  1. Lieber Michael
    Ich arbeite mit 3 verschiedenen CMS, alle OpenSource und gratis. Eines davon ist WordPress.
    Was mich daran am meisten stört, ist das Chaotentum: Das Backend ist tatsächlich so ein Durcheinander, dass ich mich immer wieder wundere, wie es sein kann, dass WP das beliebteste CMS ist.
    Mit zu dem Chaos gehört etwas, das mich bei Plugins besonders nervt: Die Deinstallation ist in der Regel nicht sauber. Da werden verwaiste Datenbanktabellen stehen gelassen, auch die Dateien werden nicht konsequent gelöscht. Das finde ich ziemlich gefährlich. Da glaubt man, das Plugin mit der Sicherheitslücke ist weg, dabei ist es einfach nur unsichtbar geworden.
    Das ist etwas, das ich von den anderen CMS nicht kenne, deshalb bevorzuge ich die beiden anderen (Joomla und Contao). WordPress verwende ich nur auf Kundenwunsch.
    Was bei WordPress aber eindeutig am besten ist: Man hat schnell ein schönes Design beieinander, da ist weniger css-Handarbeit gefragt als bei den anderen.
    Da ich vor allem für kleine Unternehmen mit wenig Finanzen arbeite, bin ich nach wie vor eine Fanin von kostenlosen Plugins – allerdings prüfe ich erst, wie es mit der Sicherheit und der Aktualität aussieht.

    1. Liebe Marion,
      danke für deinen Kommentar … ja, das mit dem Backend wundert mich auch immer wieder. Insbesondere, wenn ich (Neu)-Kunden erkläre, warum der Editor immer anders ist (Elementor vs. Gutenberg vs. Custom Post Types) …
      Der Punkt mit der Deinstallation ist genau das, was ich bei Punkt 4 meine… es ist zu leicht ein Plugin zu erstellen ;-)
      Liebe Grüße,
      Michael

  2. Lieber Michael,

    schöner Beitrag. Die Punkte 2, 3 und 5 sind meine persönlichen Highlights.

    Manche Plugins sind unter Einstellungen zu finden, andere wiederum als Top-Level Eintrag. Was ist das Prinzip – ganz wie es beliebt? Für mich jedenfalls ohne erkennbare Logik. Und ja, manche müllen das Backend regelrecht zu. Ich zahle gern für ein Plugin, aber wenn ich ein kostenloses nutze, möchte ich nicht täglich danach gefragt werden, ob ich upgraden möchte. (Fairerweise: Daran zu erinnern, ist vollkommen OK. Aber sollte vier- bis sechsmal im Jahr nicht ausreichend sein?)

    Ich stimme meiner Vorrednerin zu: Unsaubere Plugin-Deinstallationen sind nervig. Gefühlt ist es eine letzte Duftmarke, die sich das verschmähte Plugin gesetzt hat. Aus purer Boshaftigkeit? Natürlich nicht. Aber aus purer Schlamperei – und das macht es nicht besser.

    Bei WP-Updates bin ich supervorsichtig. Komplett-Sicherung usw. Trotzdem immer die Sorge, dass danach nichts wieder so ist, wie es vorher war. Da würde ich mir eine Undo-Funktion wünschen.

    So, genug gemeckert. Wie du in deinem Beitrag ja durchblicken lässt, hat WP durchaus auch mächtige Vorteile. Umsteigen werde ich daher auf keinen Fall. Aber es musste mal gesagt werden. :-)

    Liebe Grüße
    Volker

    1. Lieber Volker,
      ja, Plugins und Themes können beliebig Menü-Einträge hinzufügen. Genau das führt ja zum Wildwuchs, genau wie bei den Erinnerungen an die bezahlungspflichtigen Upgrades …
      Liebe Grüße,
      Michael

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Projektanfrage

Wobei kann ich dich unterstützen?